Werten leicht gemacht

Wenn die verschiedensten Länder an einem Wettkampf teilnehmen, dann treffen die unterschiedlichsten Turnstile aufeinander. Für diejenigen Zuschauer, die das Wertungssystem nicht kennen, ist es oftmals schwer Platzierungen nachvollziehen zu können, wenn die Übungen grundsätzlich unterschiedlich aussehen. Doch jetzt noch „kurzmal“ den Code de Pointage (das Regelwerk des Turnens; 238 Seiten)  ist fast schon zu knapp.

Aus diesem Grund nun im Nachfolgenden eine Erklärung auf was man achten muss.

1.) D-Note und E-Note

Es gibt an jedem Gerät eine D-Note und eine E-Note. Die D-Note steht für den Schwierigkeitswert der Übung und die E-Note für die Ausführung. Zusammengerechnet ergeben sie die Wertung.

Die D-Note setzt sich wiederum (außer am Sprung, dort hat jeder Sprung eine feste D-Note) aus drei Bereichen zusammen:

  1. An jedem Gerät gibt es fünf Anforderungen die erfüllt werden müssen. Pro Anforderung gibt es 0,5 Punkte. (siehe unten) 
  2. Jedes Element hat einen Schwierigkeitsgrad der im Code de Pointage steht. Für ein sehr leichtes Element gibt es ein Zehntel, für ein sehr schweres Element bis zu acht Zehntel. Die acht schwersten Elemente werden zusammengezählt. 
  3. Wenn eine Turnerin eine Verbindung aus zwei schweren Elementen turnt bekommt sie einen Bonus von einem oder zwei Zehnteln.

Wenn eine Turnerin ihre Übung perfekt ausführt erhält sie eine E-Note von 10 Punkten. Bei jedem geknicktem Knie, Wackler oder Fehler erhält sie einen Abzug von einem bis zu mehreren Zehnteln. Bei einem Sturz ist der Abzug ein Punkt.

 

2.) Sprung

Jede Turnerin muss einen Sprung zeigen, außer sie möchte ins Gerätefinale kommen, dann turnt sie zwei unterschiedliche Sprünge. Im letzten Fall zählt für das Mannschaftsergebnis trotzdem nur der erste Sprung. Für die D-Note gilt am Sprung die Regel: Um so mehr Schrauben, um so höher die D-Note. Bei der E-Note wird auf die gespannte Ausführung, die Höhe, Weite und die Landung geachtet.

3.) Stufenbarren

Die fünf Anforderungen sind:

  1. Flugelement von oben nach unten
  2. Flugelement am Holm
  3. Zwei Griffe (Der Griff der Hände ist oft schwer zu erkennen. Aus diesem Grund ist es einfacher darauf zu achten, ob die Turnerin ein Element vw. um die Stange geturnt hat.)
  4. 360° Drehung
  5. Der Abgang muss ein D-Element sein, d.h. zum Beispiel ein Doppelstrecksalto.

Schwere Übungen am Stufenbarren erkennt man dadurch, dass sie fast keine Riesenfelgen und Kippen enthalten, viele Flugelemente zu sehen sind und so alle Elemente aneinander geturnt sind.

Um die Ausführung zu beurteilen ist es am Stufenbarren wichtig auf die Handstandposition der Turnerin zu achten. Jede Drehung muss exakt im Handstand beendet sein und jeder Handstand muss perfekt senkrecht sein. Flugelemente müssen hoch sein und der Abgang muss über der oberen Barrenstange geturnt sein.

4.) Balken

Die fünf Anforderungen sind:

  1. Eine Serie aus einem Sprung mit 180° Spreizwinkel und einem anderen Sprung oder einer Drehung
  2. Ein Salto in Verbindung mit einem weiteren Salto oder einem akrobatischen Element
  3. Eine Drehung
  4. Ein Akrobatisches Element vw. oder sw. und ein akrobatisches Element rw.
  5. Der Abgang muss ein D-Element sein, d.h. zum Beispiel ein Doppelhocksalto.

Am Balken ist es sehr schwer eine leichte von einer schweren Übung zu unterscheiden. Grundsätzlich haben Übungen mit vielen verbunden Elementen (Kombinationen aus Saltos oder Drehungen oder Sprüngen) eine höhere Schwierigkeit.

5.) Boden

Die fünf Anforderungen sind:

  1. Eine tänzerische Passage mit einem Sprung mit 180° Spreizwinkel
  2. Ein vw. Salto und ein rw. Salto
  3. Salto mit 360°
  4. Doppelsalto
  5. Der Abgang muss ein D-Element sein, d.h. zum Beispiel ein Doppelhocksalto.

Sehr gute Übungen am Boden sind durch ihre schweren Akros (Doppelsaltos mit Schrauben oder eine Verbindung aus mehreren geschraubten Saltos) zu erkennen. Allerdings kann man am Boden durch schwere Drehungen (Vierfachdrehung oder Dreifachdrehung mit dem oberen Bein neben dem Kopf) und Sprünge auch eine hohe D-Note erreichen.

Bei der Ausführung muss auf die Landungen nach Akrobahnen und auf die Spreizwinkel bei Sprüngen geachtet werden. Außerdem ist es wichtig, dass die Übung künstlerisch wertvoll ist.

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