Turnen und Studieren in den USA – Wie alles anfing

Wir starten mit unserer Reihe „Turnen und Studieren in den USA“, in der uns Louisa-Marie Knapp von ihrem Leben als College-Turnerin in Alaska berichtet. Das Thema könnte aktueller nicht sein, denn gestern war an den US-Unis National Signing Day. An diesem Tag unterschreiben die Athleten einen „Letter of Intent“ mit dem sie sich für eine Uni als Student Athlete verpflichten.

Dabei gab es aus deutscher Sicht die große Neuigkeit, dass Pauline Tratz ab der Saison 2017/2018 für die UCLA Bruins an den Start gehen wird.

Nun aber zurück zu Louisa-Marie Knapp. Sie ist bereits in den USA und turnt bereits in dieser Saison in der NCAA. Im heutigen Artikel erzählt sie uns, wie es dazu kam.

 

Wieso nach Amerika?

Wie viele junge Turnerinnen habe ich immer die amerikanischen Turnstars bewundert und verehrt, vor allem Carly Patterson 2004. Da war ich noch nicht ganz 8 Jahre alt und habe beschlossen auch mal bei Olympia zu turnen und so viel zu trainieren bis ich dieses Ziel erreiche (was ich dann ja leider nie geschafft habe). Die Faszination vom amerikanischen Turnen ist geblieben, nicht nur die sportliche Leistung, sondern die Freude und den Spaß, den die amerikanischen Turnerinnen verbreiten.

Später habe ich auch viele College Gymnastics Videos geschaut und mich mit den Regeln auseinandergesetzt. Ich war beeindruckt von dem Teamzusammenhalt, von der Atmosphäre bei den Wettkämpfen mit tausenden von Zuschauern und dem positiven Spirit.

Bei den Hamburg Gymnastics 2012 habe ich dann Barry Mattern (Besitzer von ASAP in Harrisburg/Pennsylvania) kennengelernt. Wir haben viel geschrieben und er hat mich immer mehr von dem Gedanken überzeugt, nach der Schule zum Turnen und studieren in die USA zu gehen. Ich hatte einen neuen Traum, was mir viel geholfen hat mich zu motivieren und nach den viel zu vielen Verletzungen nicht aufzugeben.

Wie kommt man zu einem Sportstipendium?

Nach dem Abi habe ich mich dann an Scholarbook gewandt (eine Organisation, die Leistungssportlern dabei hilft an Sportstipendien zu gelangen, da das SEHR VIEL Bürokratie und Papierkram ist).  Scholarbook hat dann Trainings-/Wettkampfvideos und einen Steckbrief von mir an viele Coaches von verschiedenen Uni-Turnteams geschickt.

Warum Alaska?

Nach meiner Bewerbung habe ich sehr viele Antworten von verschiedenen Schulen bekommen. Darunter einige Division 1 und viele Division 2 und 3 Teams. Für mich war aber klar, dass ich in der ersten Liga, also D 1 turnen möchte. Alaska hatte ich zuerst ehrlicherweise ausgeschlossen, weil ich ja in die „USA“ wollte :-), aber nach einigen E-Mails und Telefonaten habe ich mich mehr und mehr mit dem Gedanken angefreundet, nach Alaska zu gehen.

Zweiter Kreuzbandriss – Aus der Traum?

Dann kam die Diagnose vom zweiten Kreuzbandriss und ich sah meinen Traum erneut zerplatzen. Ich musste den Coaches von den Schulen, die an mir interessiert waren, natürlich von der erneuten Verletzung und OP berichten. Einige Schulen haben mir daraufhin sehr direkt gesagt, dass sie mir aufgrund der erneuten schweren Knieverletzung kein Stipendium mehr anbieten können, andere haben mich gefragt, wann ich denn wieder fit sein würde, was mich auch etwas unter Druck gesetzt hat.

Der Headcoach Paul Stoklos in Alaska hat mir sofort zugesichert, dass er mich immer noch unbedingt haben möchte. Außerdem gäbe es in Alaska für die Student Athletes optimale physiotherapeutische und ärztliche Betreuung und dass ich mir mit meiner Reha alle Zeit der Welt lassen soll. Mein bestes Gerät sei sowieso Barren. Das hat mir ein sehr gutes Gefühl gegeben!

Die Entscheidung für Alaska

Coach P hat mich dann zu einem official visit nach Anchorage eingeladen. Ich war 2 1/2 Tage in Alaska, dort wurde mir alles gezeigt: Die Uni, die Halle (Alaska Airlines Center), die Physio, die Studenten Appartements und vieles mehr. Ich durfte das Team kennenlernen und beim Training zuschauen. Außerdem habe ich gesehen, wie wunderschön es in Alaska ist: die Sonnenauf- und -untergänge und die Berge sind einfach wunderschön!

Was mir zudem sehr geholfen hat, war die Hilfe von Marie-Sophie Boggasch und Simone Penker, die als deutsche bzw. Österreicherin mir hier vieles erleichtert haben. Nach dem Besuch war mir klar, dass ich nach Alaska möchte!

Abschluss des Vertrags

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Zuhause habe ich dann den Stipendiumsvertrag zugeschickt bekommen und unterschrieben. Es folgte wieder sehr viel Papierkram, an dem meine Eltern und ich manchmal fast verzweifelt sind. Zeugnisse müssen übersetzt und beglaubigt werden, man muss einige akademische Tests machen und gefühlte 100 Formulare und Fragebogen ausfüllen, medizinische Atteste besorgen und sich schließlich ums Visum kümmern. Das war alles nicht ganz günstig und sehr aufwendig, aber im Vergleich zu dem Wert des Stipendiums natürlich gar nichts!

 

Habt ihr Fragen an Louisa? Dann stellt sie in den Kommentaren!

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4 Gedanken zu „Turnen und Studieren in den USA – Wie alles anfing

  1. Hattest du keine Angst vor der Abfahrt?

    Wie schlimm war es für dich nicht mehr für deinen Verein zu turnen? Ich überleg gerade für ein halbes Jahr weg zu gehen aber dann kann ich vielleicht nie wieder in der Mannschaft turnen.

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