EM 2017 Teilnehmer aus Schweiz und Russland

Schweiz:

Wie bereits in EM 2017 Preview angedeutet ist das postolympische Jahr das Jahr der neuen Gesichter. Zu diesen gehört auch Lynn Genhart. Für Fans, die die letztjährige EM in Bern mitverfolgt haben, sollte der Name dennoch bekannt vorkommen. Ja genau, das war die schweizer Juniorin, die vor heimischen Publikum mit einem nahezu perfekten Wettkampf die Silbermedaille im Mehrkampf gewann. Sie wird gemeinsam mit Junioren-EM-Teamkollegin (die zwar nominiert war, aber nicht geturnt hat) Fabienne Studer ihr internationales Seniorendebut geben. Ok, nicht ganz. Lynn hat dieses Jahr bereits beim Appartus World Cup in Baku zusammen mit der dritten schweizer EM-Starterin für dieses Jahr, Thea Brogli, Stufenbarren, Balken und Boden geturnt und es am Barren auch ins Finale geschafft. Im Vergleich zu letztem Jahr hat sie ihre Übung sehr verändert. Neu sind der Bückumschwung-Ganze statt einer Riesen-Ganze, Shapo-Halbe und ein Pak. Ihren gegrätschten Jäger hat sie auf gebückt hochgestuft. In Baku war leider ihr Doppelsalto getreckt Abgang etwas tief gelandet. Bei der EM wird sie mit ihrem Ausganswert von 5,3 nur mit sehr guter Ausführung vorne mitmischen können. Am Balken lag ihre D-Note in Baku bei 5,0 und am Boden bei 4,2. Sprung hat sie nicht geturnt. Dennoch bin ich sehr gespannt auf sie. Vor allem, da sie letztes Jahr gezeigt hat, dass sie immer für eine Überraschung gut ist.

Die zweite neue Seniorin, Fabienne Studer, ist dieses Jahr bereits bei der DTB-Team Challenge in Stuttgart am Start gewesen. Das schweizer Team hat es leider nicht ins Finale geschafft und Fabienne, die seit August 2016 im Verbandszentrum Magglingen zusammen mit Lynn und dem Elite-Kader der Schweiz trainiert, war mit 46,6 Punkten und nur einer E-Note von 5,7 am Balken hinter ihren Möglichkeiten geblieben.

Neben Thea Brogli, die bereits mit Lynn 2015 beim EOYF, bei der EM 2016 im Seniorenteam und in Rio bei Testevent ihr Heimatland vertrat, wird Ilaria Käslin antreten. Diese war zuletzt beim Individual World Cup in London und in der DTB-Team Challenge im Stuttgart am Start und hat beides Mal um die 50 Punkte geturnt. Sie ist eine sehr elegante Turnerin, die bereits seit 2013 bei Welt- und Europameisterschaften angetreten ist. Bei der EM in Bern letztes Jahr stand sie im Balkenfinale.

Die Olympia Dritte am Sprung von Rio, Giulia Steingruber, kombiniert derzeit Rehabilitation und leichtes Training. Nach einer Operation am Fuß im Januar und einer kleinen Auszeit hat sie Olympia 2020 in Tokio aber fest im Blick. Richtig turnen kann sie erst am Stufenbarren, «mittlerweile alle Elemente außer den Abgang, einzeln, noch nicht verbunden». Der Plan lautet, nach den Sommerferien wieder voll ins Training mit dem Team einzusteigen. Gute Besserung Giulia!

Russland

Russland werden Elena Eremina, Natalia Kapitkova und Angelina Melninkova vertreten. In den letzten Tagen wurde Daria Spiridonova durch Maria Paseka ersetzt.
Die Junioren-Europameisterin im Mehrkampf von Bern, Elena Eremina, hat bereits bei der City of Jesolo Trophy die 55er Marke geknackt, während sie zuvor bei der DTB-Team Challenge in Stuttgart an den 53 Punkten gescheitert ist. Sie turnt am Barren einen gestreckten Tkatchev und einen gebückten Jäger. Neben großen Schwierigkeiten ist sie aber leider auch eine der Turnerinnen, die jedes Mal in der Riesenfelge beim Grätschen wegen dem unteren Holm die Beine kurz anbeugt. Am Balken hat sie in Stuttgart u.a. eine Verbindung aus Menni-Spreiz-Spreiz gezeigt und einen Grätschsprung-Ganze. Wenn bei ihr alles glatt läuft, dann kann sie sehr viel erreichen.

Nachdem Natalia Kapitkova (Jhg. 2000) letztes Jahr so gar nicht international aufgefallen war, hat sie sich durch ihren Sieg bei den sehr durchwachsenen russischen Meisterschaften dieses Jahr den Grundstein für internationale Einsätze gelegt. An eine fehlerfreie Elena Eremina reicht sie nicht heran, dafür hat Natalia aber bei allen bisherigen Wettkämpfen eine konstant gute Leistung von über 52,5 Punkten erbracht. Ich bin gespannt, ob sie diese Sicherheit auch beibehält.

Überhaupt nicht sicher waren dieses Jahr Seda Tutkhalyan und Daria Spiridonova. Beide sind auch nicht in der Startaufstellung für Cluj zu finden. Nachdem beide letztes Jahr sowohl bei der Europameisterschaft und den Olympischen Spielen Russland vertreten haben, waren ihre Leistungen bei den diesjährigen Wettkämpfen doch sehr durchwachsen und haben nicht an letztes Jahr heran gereicht. Sehr schade.

Angelina Melninkova beim Turnen zuzuschauen hat mir dieses Jahr überhaupt keinen Spaß gemacht. Bis auf in Jesolo vielleicht hat sie nie zeigen können, was sie alles kann. Eigentlich habe ich sie schon bei Daria und Seda auf der Ersatzbank gesehen, aber der russische Turnverband sieht in ihr wohl die neue Alya und schickt sie zu zwei World Cups. Beides Mal hätte man meinen können, sie wäre gegen ihren Willen dahin geschleift worden, so lustlos sah sie aus. Aber vielleicht täusche ich mich auch. Ich hoffe, dass es in Cluj um einiges besser für sie läuft. Und dass sie mal wieder lächelt.

Mit Maria Paseka wurde eine vier-fache Olympische Medaillengewinnerin und Sprungspezialistin mit ins Boot geholt. Sie ist mit Jahrgang 95 die Älteste in der Aufstellung und sicherlich auch eine Medaillenkandidatin. Dieses Jahr hat sie aber noch nicht von sich hören lassen. Ich bin gespannt.

Natalia Kapitonova, Angelina Melnikova, and Elena Eremina

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Benachrichtige mich zu:
avatar
wpDiscuz