Eine Geschichte auf 12×12

Immer wieder hat Sophie Scheder als Kommentatorin den gleichen Satz bei der DM am Boden gesagt: Die Turnerin soll eine Geschichte erzählen.

Was bedeutet? Und wieso muss die Turnerin eine Geschichte erzählen? Der Zuschauer soll mitgerissen werden, er soll die Übungen bestaunen und nicht die einzelnen Elemente. Bodenübungen sollen wie beim Eislaufen den Zuschauenden in ihren Bann ziehen, sie sollen begeistern. Wie zum Beispiel diese Übung:

 

Aber muss es dann direkt eine Geschichte sein oder genügt nicht einfach auf eine gelungene Interpretation der Musik? Die zwei folgenden Übungen der RSG zeigen wie unterschiedlich man Musik auswählen kann und wie gut man sie interpretieren kann.  Ich bezweifle aber, dass es eine Geschichte zu den Übungen gibt:

 

Im bin skeptisch ob alle deutschen Turnerinnen eine Geschichte erzählen, auch wenn Sophie das mehrere Male wiederholt hat.

Und wenn es so ist, dann frage ich mich bei vielen, um was es in der Geschichte gehen soll. Während man bei Florine Harder zum Beispiel noch relative einfach eine Story erfinden kann, fällt es mir bei anderen schwerer und ich stelle mir die Frage, ob sich die Geschichte wirklich um ein Marsmännchen, einen Holzfäller oder einen Fisch handeln kann. Wieso Marsmännchen oder Holzfäller? Manche Posen scheinen eben genau darauf hinzudeuten. Florine hingegen geht einfach Abends in eine Disko und fängt an zu Feiern und zu Tanzen und jeder möchte mitmachen. Sicherlich hat Florine sich nicht diese Geschichte vorgestellt und einfach nur Spaß an der Übung haben wollen. Das ist ihr gelungen.

Ich Frage mich ob es Sinn macht um jeden Preis eine Geschichte erzählen zu wollen. Immer wenn ich den Satz lese: „Die Turnerin ist gut in ihre Übung hineingewachsen“, sehe ich einen grundlegenden Fehlern. Die Übung sollte nicht erstellt werden und einer Turnerin aufgesetzt werden, sondern die Zwischenelemente sollten durch die Turnerin entstehen und dann bildet sich die Begeisterung ganz von alleine mit oder ohne Geschichte. In anderen Ländern ist es üblich das Turnerinnen im jungen Alter schon aus Spaß selbst auf der Bodenfläche zu Musik tanzen dürfen und die Posen der älteren Turnerinnen nachahmen oder einfach eigene erfinden. Durch unser P-Übungssystem das ganz klare Posen vorgibt und seit diesem Jahr sogar noch weniger Spielraum bietet, haben die Turnerinnen keine Möglichkeit einen eigenen Tanzstil zu finden und den Spaß am Bodenturnen. Statt dessen müssen sie nun schon mit sieben Jahren mehr Choreographie als Elemente können.

 

Geschichte raten

Ich habe mir drei Bodenübungen ausgesucht zu der Ihr gerne die Geschichte raten dürft. Ich habe schon ein paar Titel vorgeschlagen, die mir bei Amazon zufällig als Vorschlag für Geschichten angezeigt wurden. Komischerweise ist es einfach den Fit zwischen diesen Titeln und den Posen zu sehen, obwohl es natürlich absolut keinen Sinn macht.

  • Anna zähmt die Monster
  • Der Hüter des Misthaufens
  • Der mildherzige Holzhauer

 

  • Nach Jahrtausenden
  • Die große Seeschlange
  • Hellseher schauen die Zukunft

 

  • Im Herzen bewahrt aber nicht vergessen
  • Peterchens Mondfahrt
  • Die alte Göttin und ihre Pflanzen

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15 Kommentare auf "Eine Geschichte auf 12×12"

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Sarah
Gast

Ich sehe das so: nein, eine Geschichte mit konkretem Inhalt muss es nicht sein. Eine Geschichte kann für mich auch folgendes sein: ein bestimmtes Stimmungsbild zeichnen, eine bestimmte Atmosphäre schaffen…. Eine Geschichte bedeutet für mich: etwas darstellen , erzählen…. Also keine Aneinanderreihung zufälliger, leerer Gesten und Elemente.

Gast
Gast
Eine Geschichte erzählen in 1:30 min und dann noch die akrobatischen und gymnastischen Anforderungen zu erfüllen stelle ich mir extrem schwierig vor. Ich würde da eher schauen, dass sich ein roten Faden durch die Musik und Choreographie zieht, das ganze zur Turnerin passt und kreative Bewegungen enthalten sind. Es kommt aber auch viel darauf an, wie eine Turnerin die Übung herüberbringt. Kim Buis Übung, die choregraphisch jetzt nicht gerade zu den Top-Übungen gehört, schaue ich mir auch gerne an, weil sie mit so viel Spaß bei der Sache ist, dass es ansteckend ist. Es muss also nicht immer eine Geschichte… Read more »
Mara
Gast

Ich denke auch man muss keine Geschichte erzählen.Die einzige ,die das wirklich versucht ist Eythora Thorsdottir.Im Code heißt es doch eigentlich nur,dass Musik und Übung die Persönlichkeit der Turnerin unterstreichen soll oder so ähnlich.Das ist für mich bei Kim Lebensfreude und Begeisterung am Turnen,bei Florine und Amelie Energie,bei Marlene Extravaganz und bei Lea Eleganz und Anmut oder so ähnlich….Kann ja jeder für sich selbst interpretieren.Die Vielfalt macht es doch so interessant,
auch wenn ich mich manchmal frage,was es bedeutet,wenn eine Turnerin auf dem Bauch über die
Bodenfläche rutscht.

sinsa
Gast

Also ich finde diesen Beitrag irgendwie verletzend den Turneinnen gegenüber, also gerade die Komentare unter Kims Übung gehen gar nicht. Sehr wohl soll eine Stimmung erzeugt werden und es nicht einfache diese zu transportieren aber es haben hälst auch nicht alle einen Blick dafür…..

Leonie
Gast

Ich finde, dass die alte Bodenübung von Isabelle Stingl wirklich schön war und wirklich etwas rübergebracht hat. Da kann ihre neue Übung gar nicht mithalten.

anon
Gast
Ich glaube auch, dass „eine Geschichte erzählen“ vielleicht ein bisschen hoch gegriffen ist. Allein schon weil es aktuell kaum Turnerinnen gibt, die das tänzerische Können mitbringen. Ja im Code de Pointage steht drin, dass Musik und Choreographie harmonieren sollen und das finde ich auch verdammt wichtig. Aber eine Geschichte erzählen? Nun ja. In der NCAA gibt es glaub ich mehrere Colleges die aber genau das machen. Am besten sieht man das finde ich bei UCLA. Okay die erzählen keine Geschichte, aber jede Turnerin muss sich eine Person überlegen die sie darstellen möchte. Und das machen sie meiner Meinung nach auch… Read more »
Judith
Gast

Ich bin der Meinung, dass das mit der Geschichte völliger Unsinn ist. Ich mag gute Choreos mit Ausdruck, die in sich stimmig sind, zur Musik passen und von der Turnerin gut dargestellt werden, aber sie soll keine Geschichte erzählen.
Wenn ich das sehen wollte, dann würde ich ins Theater gehen.

Krissi
Gast

Also ich finde das mit der Geschichte auch etwas übertrieben. Ich finde eine Choreographie sollte flüssig und auf die Musik abgestimmt sein. Übungen in denen nur Posen aneinander gereiht sind find ich nicht so toll, daher gefällt mir persönlich auch die Übung von Kim nicht so gut. Emma Malewskis finde ich super, sie ist flüssig spritzig, passt auf die Musik und vor allem die passt zu ihr. Ganz wichtig ist natürlich auch dass die Turnerinnen Spaß dabei hat.

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